Insektenwanderung am Randecker Maar

Reuse am Randecker Maar

Am Randecker Maar wurde erstmalig der Versuch unternommen, gleichzeitig mit dem Vogelzug auch wandernde Insekten unter standardisierten Bedingungen zu erfassen. Die Berücksichtigung beider Tiergruppen brachte verschiedene Vorteile: Der Höhepunkt des Vogelzugs fällt auf den frühen Vormittag, gelegentlich den Abend, der Höhepunkt des Insektenzugs auf die warmen Tagesstunden. Durch die Kombination beider Zugzählungen war eine ganztägige Beobachtung zu vertreten.

Es wäre weder realistisch gewesen, ein Beobachterteam vier Monate lang nur auf Beobachtungen von Insektenmigrationen ansetzen zu wollen, noch wäre es sinnvoll und motivationsbedingt möglich gewesen, die zugschwachen Randbereiche des Wegzugs der Vögel zeitlich voll abzudecken. Dies ist sicher auch der Grund dafür, dass es in ganz West- und Mitteleuropa keine Station gibt, die den Tagzug der Insekten planmäßig aufzeichnet.

Am Randecker Maar war daher eine Fülle neuer Ergebnisse, sowohl im Bereich der Ornithologie, als auch der Entomologie zu erwarten. Zum 20jährigen Bestehen der Station wurden in einer Festschrift die Wanderungen der Schwebfliegen behandelt. Nach 12jährigen Untersuchungen ließ sich unter anderem nachweisen, daß einige dieser kleinen Insektenarten in regelmäßigem Zyklus zwischen Nord- und Mitteleuropa und dem Mittelmeerraum hin und her wandern.

Während Schmetterlinge visuell erfasst werden, wird der Zug kleiner Insekten mit Hilfe von Reusen erforscht. Die Fänge lassen vermuten, daß viele Schwebfliegenarten und deren Larvennahrung, die Blattläuse, als Nahrung von Vögeln zugenommen haben.

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Mai 2009 – Masseneinflug von Distelfaltern (Cynthia cardui)

Distelfalter sind Wanderfalter mit fast weltweiter Verbreitung. Sie sind möglicherweise nicht einmal in der Lage, im südlichen Südeuropa zu überwintern. Die Falter kommen aus den Steppen und Halbwüsten Nordafrikas, ja, möglicherweise überqueren sie sogar die lebensfeindliche Sahara. Seit Sonntag, 10. Mai 2009 lässt sich in Südwestdeutschland ein starker Einflug bemerken. Die Falter ziehen nach Nordosten und kommen wohl überwiegend über die Iberische Halbinsel zu uns. Manche der Falter sind schon etwas abgeflogen, haben also wahrscheinlich schon einen weiten Weg hinter sich.

Mitarbeiter der Forschungsstation Randecker Maar, Vogelzug-Insektenwanderungen am Nordrand der Schwäbischen Alb, wo ziehende Insekten und Vögel seit 40 Jahren systematisch erfasst werden, haben am Mittwoch, 13. Mai die bisher wohl stärkste Wanderung der letzten Jahrzehnte zahlenmäßig festgehalten. Mit Spezialfernrohren von Zeiss wurde auf einem ca. 400 m breiten Streifen Ackerland quer zur Zugrichtung gezählt. Der Zug begann um 10 Uhr und steigerte sich bis gegen 16.50 Uhr auf zeitweise bis zu 450 ziehende Schmetterlinge/Minute. Um 17 Uhr, kurz vor Beginn leichten Regens, kam der Zug zum Erliegen.

Auf Feldwegen rasteten Massen, oft ein bis zwei pro Quadratmeter. Auf dem 400 m breiten Band zogen im Lauf des Tages Zeit 40.810 Falter. Im Rücken der Beobachter war entsprechender Zug, bei Gegenlicht jedoch weniger gut erfassbar. Umgerechnet auf einen Kilometer Breite quer zur Nordost-Wanderrichtung, wären demnach über 102.000 Falter gezogen. Baden-Württemberg wird demnach an diesem Tag wohl von vielen Millionen Distelfaltern durchwandert worden sein.

Seit 2003 ist es der stärkste Einflug und möglicherweise einer der stärksten der vergangenen hundert Jahre. Vorausgegangen waren starke Wanderungen 1928, 1931, 1945, 1946, 1952, 1958, 1985 und 1988 und zuletzt 2003. Die Nachkommen dieser Einwanderer oder Immigranten ziehen im Juli/August wieder in die Ausgangsgebiete zurück. Die Raupen leben überwiegend an Distelarten und ihnen verwandtschaftlich nahe stehenden Pflanzen. Landwirtschaftliche Schäden sind nicht zu erwarten.

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Nachtfalter der Schwäbischen Alb  

Während sieben Jahren wurde auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb in einem etwa 25 Quadratkilometer großen, durchschnittlich über 700 m NN gelegenen Gebiet, Lichtfallenfang betrieben. Dabei konnten 200 Arten der Noctuidae (Eulen) und 90 Arten der Bombyces und Sphinges (Spinner und Schwärmer) nachgewiesen werden. Besonderes Augenmerk galt der Wanderfalterforschung. Einschließlich einem Vertreter der Geometridae (Rhodometra sacraria L.) konnten 27, den Nachtfaltern zuzuordnende Arten im Gebiet gefunden werden. Das Naturschutzgebiet Schopflocher Moor erwies sich als entomologisch besonders bedeutungsvoll. Eine unglaublich hohe Zahl von Arten wurde nur an diesem Leuchtort gefunden. Ursache dürfte das Nebeneinander verschiedenster Feuchtgebiete und saurer Trockenstandorte in unterschiedlichsten Sukzessionsstadien sein. Insgesamt 756 fast gleichmäßig über das Jahr verteilte Leuchtnächte ergaben die Möglichkeit, für eine ganze Reihe von Arten Diagramme der jahreszeitlichen Flugzeit zu erstellen.
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Publikationen zur Insektenkunde

 Gatter, W., H. Ebenhöh, R. Kima, W. Gatter & F. Scherer (2020): 50jährige Untersuchungen an migrierenden Schwebfliegen, Waffenfliegen und Schlupfwespen belegen extreme Rückgänge (Diptera Syrphidae, Stratiomyidae, Hymenoptera hier: Ichneumonidae). 50 years of hover-fly migration. Enthomologische Zeitschrift. Im Druck

Gatter, W. (2006): Staatenbildende Wespen und Hummeln (Hymenoptera) in Baden-Württembergs Wäldern und ihre langfristige Entwicklung 1954–1996. Jh. Ges. Naturkde. Württ. 162: 243–260

Gatter, W. (1997): Waldgeschichte, Buchenprachtkäfer und Rückgang des Berglaubsängers Phylloscopus b.bonelli. Vogelwelt 118: 41-47. Link

Gatter, W. (1997): Förderungsmöglichkeiten für den Alpenbock. AFZ/Der Wald 24: 1305-1306. Link

Meineke, Th., W. Gatter & D. Gatter (1991): Massenwanderungen von Gemeinen Ohrwürmern (Forficula auricularia L.), Marienkäfern (Coccinella septempunctata L.) und Wanzen (Pentatomidae, Lygaeidae) in Südspanien. Entomol. Z. 101: 239-244. Link

Alkemeier, F. & W. Gatter (1990): Größenordnung der herbstlichen Südwanderung des Windenschwärmers (Agrius convolvuli) in den Alpen. Ent. Z. 100: 330-332. Link

Gatter, P. & W. Gatter (1990): Das Migrationssystem des Windenschwärmers (Agrius convolvuli) zwischen Westafrika und dem Westen der Paläarktis – Ergebnisse und Hypothesen. Ent. Z. 100: 313-329. Link

Gatter, W. & U. Schmid (1990): Die Wanderungen der Schwebfliegen (Diptera, Syrphidae) am Randecker Maar. Festschrift 20 Jahre Station Randecker Maar. Hoverfly migration at Randecker Maar, SW-Germany. Spixiana Suppl. 15: 1-100. Link

Schmid, U. & W. Gatter (1988): Das Vorkommen von Schwebfliegen am Randecker Maar – ein faunistischer Überblick (Diptera, Syrphidae). Nachr. Bayer. Ent. 37: 117-127. Link

Gatter, W. (1986): Notizen zu Brutzeitnahrung und Verhalten von Kernbeißern (Coccothraustes coccothraustes). Orn. Jh. Bad.-Württ. 2 (2): 88-89. Link

Gatter, W. (1986): Auftreten und Wanderungen des Trauermantels (Nymphalis antiopa) im Jahre 1985. Bund Naturschutz Alb-Neckar 12: 61-68. Link

Gatter, P. (1986): Notizen zur Biologie des Herkuleskäfers Dynastes cenfaurus (Fabricius) in Liberia (Coleoptera: Dynastinae). Entomologische Zeitschrift (Essen) 96 (3): 17-32. Link

Gatter, W. (1981): Insektenwanderungen. Neues zum Wanderverhalten der Insekten. Über die Voraussetzungen des westpalaearktischen Migrationssystems. Kilda Verlag. Greven. 94 Seiten. Link

Gatter, W. (1981): Die Migrationsformen der Insekten. Ent. Zeitschrift 91: 1-16. Link

Gatter, W. (1981): Anpassungen von Wanderinsekten an die tägliche Drehung des Windes. Jh. Ges. Naturkde. Württbg. 136: 191-202. Link

Gatter, W. (1980): Nordwärts gerichtete Frühjahrswanderungen palaearktischer Schmetterlinge, Fliegen und Hummeln im Himalaya- und Transhimalayagebiet Nepals. Atalanta XI: 188-196. Link

Gatter, D. (1979): Beitrag zur Fauna nachtaktiver Schmetterlinge (Insecta: Lepidoptera) der Schopflocher Alb (Bombyces, Sphinges, Noctuidae). Mit besonderer Berücksichtigung von Wanderproblemen und der Naturschutzgebiete Schopflocher Moor und Randecker Maar. Jh. Ges. Naturkde. Württ. 134: 196-241. Link

Gatter, W. (1978): Planbeobachtungen des sichtbaren Zugs am Randecker Maar als Beispiel ornithologisch-entomologischer Forschung. Vogelwelt 99: 1-21. Link

Gatter, W. (1977): Zusammenbruch der Nahrungsgrundlage als Auslöser einer Wanderung der Haarmücke (Philia febrilis). Atalanta 8: 247-254. Link

Gatter, W. (1977): Eine Wanderung der Erdschnake (Tipula oleracea l.). Passive Verdriftung oder gerichtete Migration? Nachrichtenblatt bayerischer Entomologen 26: 141-152. Link

Gatter, W. & D. Gatter (1976): Der Zug der Schwebfliegen nach planmäßigen Fängen am Randecker Maar (Schwäbische Alb) (Diptera, Syrphidae). Atalanta 7: 4-18. Link

Gatter, W., H. Jüngling & W. Müller (1975): Faunistische Notizen aus dem Naturschutzgebiet Eichhalde bei Bissingen/Teck. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.-Württ. 43: 145-161. Link

Gatter, W. (1975): Massenwanderung der Libellen Sympetrum vulgatum und Sympetrum flaveolum am Randecker Maar, Schwäbische Alb. Atalanta 6/4: 193-200. Link

Gatter, W. (1975): Regelmäßige Herbstwanderungen der Schwebfliege Eristalis tenax am Randecker Maar, Schwäbische Alb. Atalanta 6: 193-200. Link

Gatter, W. & D. Gatter (1973): Massenwanderung der Schwebfliege Eristalis tenax und des Marienkäfers Coccinella septempunctata am Randecker Maar, Schwäbische Alb. Jh. Ges. Naturkde. Württ. 128: 151-154. Link