Randecker Maar
 

Vogelzug am Randecker Maar

Feldbestimmung ziehender Vögel

Der Zugplanbeobachter ist, wie kaum ein anderer faunistisch arbeitender Biologe, darauf angewiesen, seine Objekte in wenigen Augenblicken auch unter widrigen Bedingungen sicher anzusprechen. Die in den Feldführern angegebenen Merkmale werden diesen Ansprüchen nicht gerecht. Körperhaltung, Flügelform und Flügelschlagfrequenz, Truppform und -dichte in Verbindung mit der Fluggeschwindigkeit und dem davon abhängigen interspezifischen Sozialverhalten müssen so interpretiert werden, daß eine Einordnung nach Arten notfalls auch ohne "Verhören" der Zugrufe erfolgen kann. Viele dieser Kriterien stehen in engem Zusammenhang mit dem Flügelbau.

Vergleichende Beschreibungen des Flugs von Singvögeln existierten früher vor allem aus aerodynamischer Sicht; die wenigsten eignen sich zu Bestimmungen im Felde. Das Bestimmen nach dem Flugrhythmus mit Hilfe der Stoppuhr, wie es Drost schon 1933 vorschlägt, liefert eines von vielen Teilbildern, die sich für einen erfahrenen Beobachter intuitiv und blitzschnell, auch ohne solche Hilfsmittel, zu einem Gesamtbild zusammenfügen.

Am Randecker Maar wurden deshalb Kennzeichen erarbeitet, die helfen, ziehende Vögel auf sehr große Entfernung und auch unter schlechten Lichtverhältnissen rasch anzusprechen. Erfahrung vermögen sie dennoch nicht zu ersetzen.

 



 
Ziehende Saatkrähen (Corvus frugilegus) (Bild) können auf fünf Kilometer und mehr erkannt werden
  Ungewöhnlich fliegende Kleinvögel wie Kleiber, Kernbeißer, Hausrotschwanz und viele andere lassen sich in der Horizontalen auf 1000 m problemlos selbst als Einzelvögel bestimmen. Die Bestimmung eines einzelnen Wiesenpiepers, Buch- bzw. Bergfinks bereitet auf diese Entfernung dagegen Schwierigkeiten. Artspezifische Truppformen und Flugmanöver erlauben es jedoch, den Schwarm auf 1000 m und mehr artlich einzuordnen. Goldhähnchen und Laubsänger können innerhalb von 500 m bis hin zur Gattung bestimmt werden, die Artbestimmung (Sommer-, Wintergoldhähnchen bzw. Zilpzalp, Fitis) ist jedoch nur im Nahbereich möglich.  
 

 

   

Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes))

Grünling (Chloris chloris)

Buchfink (Fringilla coelebs)

 

 

Die Maximalentfernung für eine sichere Bestimmung wird sowohl durch die topographischen Verhältnisse am Beobachtungsort als auch durch das Zugaufkommen stark beeinflusst. Unauffällige oder schwierig zu bestimmende Vögel werden an Massenzugtagen prozentual weniger erfasst, als an schwachen Zugtagen. Dies ist aber ein generelles Problem der Methode, das artspezifisch gleich bleibt und damit die Interpretierbarkeit der Ergebnisse nicht beeinträchtigt.

Die Beobachtungen und Zählungen erfolgen mit 15fach vergrößernden Ferngläsern der Firma Zeiss. Sie ermöglichen das Auffinden und Verfolgen selbst weit entfernt fliegender Vögel. Daneben stehen 20- bis 60-fach vergrößernde Gläser auf Stativen bereit.

Die neueste und ausführlichste Fassung von W. Gatter zu Feldkennzeichen ziehender Vögel generell findet sich bei Gatter (2000; siehe Inhalt) und beschränkt auf am Tage ziehender Singvögel in LIMICOLA 16 (2002) Heft 4 auf den Seiten 193-256. Beide Fassungen sind reich bebildert.

 

Kolkrabe (Corvus corax)

 

 

     

Mäusebussard (buteo buteo)

Rotmilan (Milvus milvus)

Wanderfalke (Falco peregrinus)

Sperber (Accipiter nisus)

 

     

Buntspecht (Dendrocopos major)

Wacholderdrossel (Turdus pilaris)

Mehlschwalbe (Delichon urbica)

Rauchschwalbe Jungvogel
(Hirundo rustica)

 

 

Bestandserfassungen und Zugplanbeobachtung - Methoden und Vergleich

Eine Vielzahl verschiedener Möglichkeiten wurde entwickelt, um Vogelbestände zu erfassen. Die meisten sind sehr zeitintensiv. Alle Methoden sind von Eigenheiten der Beobachter abhängig. Verhaltens- und Aktivitätsmuster unterschiedlicher Arten beeinflussen die Ergebnisse ebenso wie das Wetter. Langzeituntersuchungen sind zudem von sich verändernden Habitatbedingungen im Untersuchungsgebiet abhängig.

Zugplanbeobachtungen wie am Randecker Maar mit einem gleichbleibenden "Fenster" aus Gebirgshöhe und Passbreite erlauben einen von Landschaftsveränderungen unabhängigen Ausschnitt aus dem Breitfrontzug über Mitteleuropa. Vor allem das Wetter und die unterschiedliche Beobachtereignung beeinflussen die Ergebnisse; Fehlerquellen, die sich aber in Langzeitprogrammen ausgleichen.

Das Herkunftsgebiet der Durchzügler erstreckt sich bis Schweden, Norwegen und Russland im Norden und bis zur Slowakei und Ukraine im Osten. Zugplanbeobachtung deckt Gebiete ab, die mit anderen Monitoringmethoden derzeit nicht beurteilt werden können. Gebirgshöhe und Passbreite und die daraus resultierende Zugverdichtung machen die Methode unabhängig von Habitatveränderungen, die bei allen anderen Methoden schwer zu korrigieren sind. Südostzieher spielen kaum eine Rolle, da sie überwiegend nachts ziehen.

Stare (Sturnus vulgaris)

 

Measuring annual changes in bird population numbers by different survey methodes and by standardized migration observations - methods and comparison

Measuring annual changes in bird numbers by different survey methods and by standardized migration observation. A wide variety of methods has been developed for evaluating breeding bird populations (territory mapping, point stop counts, line transects, constant effort mist-netting, ect), most of them very time-consuming. All methods are dependent on subjective judgements and the idiosyncrasy of observers. The behaviour and activity patterns of different species influence results, as does the weather.

Long-term studies of birds present in an area, breeding or on stopover, are, in contrast to those monitored in standardized migration observations, additionally affected by habitat changes in study areas. Regular long-term migration monitoring, such as that carried out at Randecker Maar, allows the observation of a section of the broad-front migration through Central Europe via a 'window' of constant altitude and pass width, independent of such landscape alterations. The data collected at Randecker Maar are influenced by weather and observer skill, sources of error that however balance out over the three decades of observation. Standardized migration observation covers aspects that cannot be evaluated using other monitoring methods. The altitude of the hills and the width of the pass, and the concentration of movement resulting from them, make this method independent of the habitat changes that are difficult to correct for using other techniques. The countries of origin of the passage migrants range from Sweden, Norway, and Russia in the north, to Slovakia and Ukraine in the east. Birds moving SE play an insignificant role since their passage is overwhelmingly nocturnal.

 

Mäusebussard (Buteo buteo)