Randecker Maar
 

Insektenwanderung

Am Randecker Maar wurde erstmalig der Versuch unternommen, gleichzeitig mit dem Vogelzug auch wandernde Insekten unter standardisierten Bedingungen zu erfassen. Die Berücksichtigung beider Tiergruppen brachte verschiedene Vorteile: Der Höhepunkt des Vogelzugs fällt auf den frühen Vormittag, gelegentlich den Abend, der Höhepunkt des Insektenzugs auf die warmen Tagesstunden. Durch die Kombination beider Zugzählungen war eine ganztägige Beobachtung zu vertreten.

Es wäre weder realistisch gewesen, ein Beobachterteam vier Monate lang nur auf Beobachtungen von Insektenmigrationen ansetzen zu wollen, noch wäre es sinnvoll und motivationsbedingt möglich gewesen, die zugschwachen Randbereiche des Wegzugs der Vögel zeitlich voll abzudecken. Dies ist sicher auch der Grund dafür, dass es in ganz West- und Mitteleuropa keine Station gibt, die den Tagzug der Insekten planmäßig aufzeichnet.

Reuse am Randecker Maar

 

Am Randecker Maar war daher eine Fülle neuer Ergebnisse, sowohl im Bereich der Ornithologie, als auch der Entomologie zu erwarten. Zum 20jährigen Bestehen der Station wurden in einer Festschrift die Wanderungen der Schwebfliegen behandelt. Nach 12jährigen Untersuchungen ließ sich unter anderem nachweisen, daß einige dieser kleinen Insektenarten in regelmäßigem Zyklus zwischen Nord- und Mitteleuropa und dem Mittelmeerraum hin und her wandern.

Links: Festschrift zum 20jährigen Bestehen der Station Randecker Maar:
Gatter & Schmid 1990: Die Wanderung der Schwebfliegen (Diptera, Syrphidae) am Randecker Maar. Festschrift 20 Jahre Station Randecker Maar. Hoverfly migration at Randecker Maar, SW-Germany. Spixiana Suppl. 15: 100 Seiten.

zum Inhalt

Während Schmetterlinge visuell erfasst werden, wird der Zug kleiner Insekten mit Hilfe von Reusen erforscht. Die Fänge lassen vermuten, daß viele Schwebfliegenarten und deren Larvennahrung, die Blattläuse, als Nahrung von Vögeln zugenommen haben.

 


Mai 2009 - Masseneinflug von Distelfaltern (Cynthia cardui)

Distelfalter sind Wanderfalter mit fast weltweiter Verbreitung. Sie sind möglicherweise nicht einmal in der Lage, im südlichen Südeuropa zu überwintern. Die Falter kommen aus den Steppen und Halbwüsten Nordafrikas, ja, möglicherweise überqueren sie sogar die lebensfeindliche Sahara. Seit Sonntag, 10. Mai 2009 lässt sich in Südwestdeutschland ein starker Einflug bemerken. Die Falter ziehen nach Nordosten und kommen wohl überwiegend über die Iberische Halbinsel zu uns. Manche der Falter sind schon etwas abgeflogen, haben also wahrscheinlich schon einen weiten Weg hinter sich.

Mitarbeiter der Forschungsstation Randecker Maar, Vogelzug-Insektenwanderungen am Nordrand der Schwäbischen Alb, wo ziehende Insekten und Vögel seit 40 Jahren systematisch erfasst werden, haben am Mittwoch, 13. Mai die bisher wohl stärkste Wanderung der letzten Jahrzehnte zahlenmäßig festgehalten. Mit Spezialfernrohren von Zeiss wurde auf einem ca. 400 m breiten Streifen Ackerland quer zur Zugrichtung gezählt. Der Zug begann um 10 Uhr und steigerte sich bis gegen 16.50 Uhr auf zeitweise bis zu 450 ziehende Schmetterlinge/Minute.

Um 17 Uhr, kurz vor Beginn leichten Regens, kam der Zug zum Erliegen. Auf Feldwegen rasteten Massen, oft ein bis zwei pro Quadratmeter. Auf dem 400 m breiten Band zogen im Lauf des Tages Zeit 40.810 Falter. Im Rücken der Beobachter war entsprechender Zug, bei Gegenlicht jedoch weniger gut erfassbar. Umgerechnet auf einen Kilometer Breite quer zur Nordost-Wanderrichtung, wären demnach über 102.000 Falter gezogen. Baden-Württemberg wird demnach an diesem Tag wohl von vielen Millionen Distelfaltern durchwandert worden sein.

Seit 2003 ist es der stärkste Einflug und möglicherweise einer der stärksten der vergangenen hundert Jahre. Vorausgegangen waren starke Wanderungen 1928, 1931, 1945, 1946, 1952, 1958, 1985 und 1988 und zuletzt 2003. Die Nachkommen dieser Einwanderer oder Immigranten ziehen im Juli/August wieder in die Ausgangsgebiete zurück. Die Raupen leben überwiegend an Distelarten und ihnen verwandtschaftlich nahe stehenden Pflanzen. Landwirtschaftliche Schäden sind nicht zu erwarten.

 

 

 

Publikationen aus der Station Randecker Maar
zu Insektenwanderungen

 


Gatter, W. & D. Gatter (1973): Massenwanderung der Schwebfliege Eristalis tenax und des Marienkäfers Coccinella septempunctata am Randecker Maar, Schwäbische Alb. Jh. Ges. Naturkde. Württ. 128: 151-154.

Gatter, W. (1975a): Massenwanderung der Libellen Sympetrum vulgatum und Sympetrum flaveolum am Randecker Maar, Schwäbische Alb. Atalanta 7: 4-18.

Gatter, W. (1975b): Regelmäßige Herbstwanderungen der Schwebfliege Eristalis tenax am Randecker Maar, Schwäbische Alb. Atalanta 6: 193-200.

Gatter, W. (1977b): Zusammenbruch der Nahrungsgrundlage als Auslöser einer Wanderung der Haarmücke (Philia febrilis). Atalanta 8: 247-254.

Gatter, W. & D. (1976a): Der Zug der Schwebfliegen nach planmäßigen Fängen am Randecker Maar (Schwäbische Alb) (Diptera, Syrphidae). Atalanta 7: 4-18.

Gatter, W. (1977c): Eine Wanderung der Erdschnake (Tipula oleracea l.). Passive Verdriftung oder gerichtete Migration? Nachrichtenblatt bayerischer Entomologen 26: 141-152.

Gatter, W. & D. (1977e): Schmetterlingswanderungen durch die Sahara. Atalanta 8: 241-246.

Gatter, W. (1978): Planbeobachtungen des sichtbaren Zugs am Randecker Maar als Beispiel ornithologisch-entomologischer Forschung. Vogelwelt 99: 1-21.

Gatter, W. (1980): Nordwärts gerichtete Frühjahrswanderungen palaearktischer Schmetterlinge, Fliegen und Hummeln im Himalaya- und Transhimalayagebiet Nepals. Atalanta XI: 188-196.

Gatter, W. (1981a): Insektenwanderungen. Neues zum Wanderverhalten der Insekten. Über die Voraussetzungen des westpalaearktischen Migrationssystems. Kilda Verlag. Greven. 94 Seiten.

Gatter, W. (1981b): Die Migrationsformen der Insekten. Ent. Zeitschrift 91: 1-16.

Gatter, W. (1981c): Anpassungen von Wanderinsekten an die tägliche Drehung des Windes. Jh. Ges. Naturkde. Württbg. 136: 191-202.

Gatter, W. (1986): Auftreten und Wanderungen des Trauermantels (Nymphalis antiopa) im Jahre 1985. Bund Naturschutz Alb-Neckar 12: 61-68.

Schmid, U. & Gatter, W. (1988): Das Vorkommen von Schwebfliegen am Randecker Maar - ein faunistischer Überblick (Diptera, Syrphidae). Nachr. Bayer. Ent. 37: 117-127.

Alkemeier, F. & Gatter, W. (1990): Größenordnung der herbstlichen Südwanderung des Windenschwärmers (Agrius convolvuli) in den Alpen. Ent. Z. 100: 330-332.

Gatter, P. & Gatter, W. (1990): Das Migrationssystem des Windenschwärmers (Agrius convolvuli) zwischen Westafrika und dem Westen der Paläarktis - Ergebnisse und Hypothesen. Ent. Z. 100: 313-329.

Gatter, W. & Schmid, U. (1990): Die Wanderung der Schwebfliegen (Diptera, Syrphidae) am Randecker Maar. Festschrift 20 Jahre Station Randecker Maar. Hoverfly migration at Randecker Maar, SW-Germany. Spixiana Suppl. 15: 100 Seiten.

Meineke, Th.; Gatter, W. & Gatter, D. (1991): Massenwanderungen von Gemeinen Ohrwürmern (Forficula auricularia L.), Marienkäfern (Coccinella septempunctata L.) und Wanzen (Pentatomidae, Lygaeidae) in Südspanien. Entomol. Z. 101: 239-244.

Gatter, W. (1998): Förderungsmöglichkeiten für den Alpenbock. AFZ/Der Wald 24: 1305-1306.

 

 

Nachtfalter
Während sieben Jahren wurde auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb Lichtfallenfang betrieben. Dabei konnten 200 Arten der Noctuidae (Eulen) und 90 Arten der Bombyces und Sphinges (Spinner und Schwärmer) nachgewiesen werden. Besonderes Augenmerk galt der Wanderfalterforschung. Das Naturschutzgebiet Schopflocher Moor erwies sich als entomologisch besonders bedeutungsvoll.

Dorothea Gatter (1979): Beiträge zur Fauna nachtaktiver Schmetterlinge der Schopflocher Alb. Mit besonderer Berücksichtigung von Wanderproblemen und der Naturschutzgebiete Schopflocher Moor und Randecker Maar. Jh. Ges. Naturkde. Württemberg 134.

zum Inhalt

 

Insektenwanderungen
Hier werden schwerpunktmäßig für Mitteleuropa und speziell für das Randecker Maar die Ergebnisse planmäßig erfasster Insektenwanderungen für die Jahre 1970-1980 dargestellt. Eine spezielle Würdigung erfahren die Zusammenhänge zwischen meteorologischen Faktoren und der Wanderaktivität von Insekten.

Gatter, W. (1981): Insektenwanderungen. Neues zum Wanderverhalten der Insekten. Über die Voraussetzungen des westpalaearktischen Migrationssystems. Kilda Verlag. Greven. 94 Seiten.

zum Inhalt