Die Station Randecker Maar im Spiegel der Presse

 

Artikel aus den Lokalnachrichten des Teckboten vom 08.August 2003

AUSZEICHNUNG / Als Anerkennung seiner Arbeit bekommt Wulf Gatter Ehrendoktorwürde der University of Liberia verliehen

Wulf Gatter, Diplom-Forstingenieur aus Oberlenningen und Leiter des Ökologischen Lehrreviers der Forstdirektion Tübingen mit Sitz in Lenningen, hat die Ehrendoktorwürde der University of Liberia verliehen bekommen. Von 1981 bis 1984 war Wulf Gatter zum ersten Mal in Liberia tätig als Forstexperte, entsandt von der baden-württembergischen Forstverwaltung. Seine Aufgabe war, mit liberianischen Förstern Methoden zur Erhaltung des Regenwaldes zu entwickeln. Vorwiegend ausländische Holzeinschlagsgesellschaften nutzten den Regenwald immer stärker, ohne dass Maßnahmen getroffen wurden, die eine nachhaltige zukunftsorientierte Nutzung ermöglicht hätten. Wulf Gatter bestimmte und vermaß mit einem liberianischen Team in allen Vegetationszonen auf Versuchsflächen alle Bäume, Sträucher und Lianen. Anschließend wurde ein Teil der Flächen sich selbst überlassen, um beobachten zu können, wie sie sich unbeeinflusst entwickeln. Im übrigen Gebiet sollten nach verschiedenen Kriterien forstwirtschaftliche Eingriffe erprobt werden, um Erfahrungen für eine zukünftige nachhaltige Nutzung zu sammeln und dadurch den Regenwald als dauerhafte Ressource für die Bevölkerung zu erhalten. Dieser erste dreijährige Aufenthalt mit Ehefrau Dorothea und Kindern, das Zusammenleben mit den Dorfbewohnern, meist unter Urwaldbedingungen legte den Grundstein für Gatters 22-jährige Verbundenheit zu diesem Land und seinen Menschen. 1985 gehörte er als Gründungsmitglied der ersten Naturschutzgesellschaft des westafrikanischen Landes an. 1986 wurde Wulf Gatter für drei Monate von der baden-württembergischen Forstbehörde beurlaubt, um einem Ruf des World Wide Fund for Nature (WWF) folgen zu können. Es ging um den Sapo Nationalpark, den zweitgrößten Regenwald-Nationalpark Westafrikas. Um die Ressourcen dieses unbewohnten Gebietes zu erhalten und gleichzeitig den Bewohnern ein Überleben zu sichern, galt es, ein Infrastrukturprogramm zu entwickeln. In einem weiteren Projekt im Auftrag von Birdlife International erforschte Wulf Gatter die Überwinterung euroasiatischer Fluss- und Seevögel an dem 600 Kilometer langen Küstenstreifen Liberias, in den Lagunen und an den gezeitenbeein-flussten Flussunterläufen. Das Forschungsergebnis, erarbeitet mit Hilfe kleiner Privatflugzeuge der dortigen deutschen Bong-Erzmine: Etwa eine halbe Million Vögel wie Strandläufer, Wasserläufer, Brachvögel, Reiher, Seeschwalben in über 80 Arten verbringen den europäischen Winter in diesen tropischen Feuchtgebieten. Als Folgeprojekt bildete Wulf Gatter in den vergangenen Jahren junge liberianische Biologen und Umweltwissenschaftler aus, die die Betreuung und den Schutz der Feuchtgebiete übernehmen und das Umweltbewusstsein in der Bevölkerung wecken und stärken sollen. Die Interessenskonflikte sind vielfältig: So wird zum Beispiel durch die übermäßige Brennholznutzung der Mangrovenwälder entlang der Flussläufe die Erosion gefördert und dadurch auch der Fisch- und Krabbenfang in Dorfnähe gefährdet. Und so kommt es in Folge der Schädigung von Naturräumen zu weiteren sozialen Problemen. Das Ziel des Projekts ist es, den Regenwald und die Feuchtgebiete nicht auf Kosten der einheimischen Bevölkerung, sondern zu ihrem langfristigen Nutzen zu schützen. Aus den Zugvogelstudien entstand das Christmasbird-Projekt. Als Weihnachtsvögel bezeichnen die Liberianer die europäischen Zugvögel, die am Jahresende ankommen und das Land um Ostern wieder verlassen. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Afrika des NABU Deutschland fördert Gatter dort Untersuchungen und Diplomarbeiten junger Liberianer, die über die Erforschung der Ökologie von Regenwald- und Zugvögeln in Schutzstrategien münden sollen. Wie schaffen es die Zugvögel, sich in einem Ökosystem mit über 400 einheimischen Vogelarten einzunischen, ist dabei die entscheidende Frage. Voraussetzung für eine solche Untersuchung ist dabei der Besitz eines Fernglases. Wer dafür ein gebrauchtes gut erhaltenes Fernglas zur Verfügung stellen möchte, kann sich unter Telefon 0 70 26/21 04 direkt an Wulf Gatter wenden. Zwischen diesen, Jahre und Monate dauernden offiziellen Aufenthalten in Liberia hat Wulf Gatter kürzere Expeditionen in den Norden des Landes aus eigener Initiative unternommen, oftmals trotz der durch Unruhen und Bürgerkrieg bestehenden Risiken. Doch gerade diese Unerschrockenheit und Ausdauer hat ihm die Sympathie und Unterstützung der liberianischen Wissenschaftler und Umweltexperten eingebracht, die sich vom westlichen Ausland weitgehend allein gelassen fühlten und zudem ständig im Spannungsfeld ihrer eigenen Regierung stehen. Mehrere Expeditionen galten den unerforschten Gebirgen im Nordwesten Liberias. Aus einem Ozean von Regenwald ragen dort Inselberge, kahle Granitkuppen, heraus, in deren Fauna und Flora sich durch die Insellage zahlreiche endemische Arten entwickelt haben, die natürlich das besondere Interesse jedes Forschers wecken. 1997 erschien Wulf Gatters Buch Birds of Liberia in den USA, verlegt beim renommierten Wissenschaftsverlag Yale University Press. Waren bis 1981 etwa 380 Vogelarten vorwiegend aus dem Küstenbereich bekannt, so konnte er jetzt, nach seinem mehrjährigen Aufenthalt und seinen späteren Expeditionen ins Landesinnere, über 600 Arten in seinem Buch erfassen, beschreiben und in Verbreitungskarten darstellen. Trotz der für afrikanische Maßstäbe geringen Nord-Süd-Ausdehnung Liberias gibt es klimatisch und topographisch bedingt eine große Diversität der Vegetationszonen vom Küsten-Mangrovenstreifen im Süden über den immergrünen Regenwald bis zu den Bergsavannen im Norden. Da Vögel allgemein als Bioindikatoren gelten, haben die Forschungsergebnisse in Birds of Liberia über die Ornithologie hinaus Bedeutung. Als Anerkennung dieser Forschungstätigkeit für Natur und Menschen in Liberia bekam der Oberlenninger jetzt die Ehrendoktorwürde der University of Liberia verliehen. Vor Professoren, Studenten und mehreren Tausend Gästen betonte er in erster Linie an die Adresse der Absolventen gerichtet: Die Zukunft liegt nicht in der Anlage von Plantagen, sondern in der erhaltenden Nutzung der Geschenke der Natur, wie wir sie nur in ursprünglichen Wäldern in Form der natürlichen Verjüngung finden können. Und hier liegt die Chance für die gut ausgebildeten liberianischen Forstleute mit ihrem hohen ökologischen Wissen, verbunden mit einem realistischen Sinn für wirtschaftliches Management. Tropische Regenwälder stellen ein Ökosystem von extremer Komplexität dar. Eine moderne Forstverwaltung muss daher in der Lage sein, die ganzheitlichen Aspekte zu verstehen und zu interpretieren, um dann angemessen und fachkundig für die Zukunft Entscheidungen zu treffen. Dies ist nur möglich in interdisziplinären Teams, in denen Forstleute, Biologen, Hydrologen, Geologen, Agrarfachleute und alle anderen Umweltspezialisten vertreten sind. Sie haben all diese gut ausgebildeten Leute hier vor sich. Sie warten ungeduldig darauf, ihr Wissen in Ihren und in den Dienst der Natur zu stellen. Ihre Ideen aufzugreifen, könnte diesem Land helfen, die Ressource 'Wald' zu erhalten und zu schützen, für eine Zukunft, in der die Vorkommen von Gold und Diamanten erschöpft sein werden. Nutzen Sie diese Möglichkeit und geben Sie kommenden Generationen eine Chance. An die politisch Verantwortlichen in Liberia gewandt, mahnte Wulf Gatter nur wenige Tage vor den jüngsten Angriffen der Rebellen in seiner Rede: Auch heute sind die Holzeinschläge und die nachfolgende unkontrollierte landwirtschaftliche Nutzung die Hauptbedrohung für den liberianischen Regenwald. Dies hat nicht nur eine enorme Wirkung auf die Flora und Fauna, sondern auch auf die ländlichen Dorfgemeinschaften, deren Lebensunterhalt im Wald begründet liegt. Ihre Kultur und ihre Bräuche sind so eng mit dem Wald verbunden, dass sein Verschwinden das Überleben und das Wachstum dieser Gemeinschaften ernsthaft bedrohen würde. In den letzten 20 Jahren hat es praktisch keine Wiederaufforstung mehr gegeben. Inzwischen hat die Regierung Liberias die Bedeutung des Schutzes der Umwelt erkannt und eine Anzahl von internationalen Übereinkommen unterzeichnet und verifiziert. Nun steht die Regierung vor der schwierigen Aufgabe, sich aktiv darum zu bemühen, diese Verpflichtungen zu erfüllen. Wulf Gatters Wunsch ist es, dass das Land endlich zur Ruhe kommen möge, dass die Menschen in Frieden leben können und dass er weiterhin einen Beitrag zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen Liberias leisten kann. khf


http://www.teck.de/region/service/lokalnachrichten/2003/artikel/TB0708.004.html

 

University of Liberia, the Best in Africa Says Convocation Speaker
By Hampton N. Mason

May 29, 2003

  (Applause) “Thank you. Thank you. Thank you. This is fantastic. I never expected to graduate from the Medical College today- others said I didn't have enough money to make. But here I am”. This was the voice of one of the candidates for the degree of Doctor of Medicines (MD), Cuallian L. Jabbeh. The University of Liberia Wednesday graduated 1,150 students in various academic and professional disciplines.

Dr. Wulf Gatter, an environmental authority on Liberian wildlife, served as the Commencement Speaker. He has 100 scientific publications to his credit, including a book titled, “Birds of Liberia”, published by Yale University press in 1997. Speaking on the topic “Environmental Stability” the Convocation orator, Dr. Wulf Gatter, said, members of the Royal Class are the future leaders of Liberia, who must fight hard to reduce the illiteracy rate in the country. “You must ask yourself first who you want to be, and what you want to have, and what do you want to give,” Dr. Gatter told the graduates. He called on the graduates to turn information into knowledge, “because knowledge is understanding, and understanding is wisdom… because the future is near our eyes.”

  The speaker said, even though the graduates had experienced difficulties in their studies, they persevered. He cautioned the graduates to utilize the knowledge obtained from the University towards productive ventures for Liberia, adding, “The University is the only institution in Africa that you can be proud of. Dr. Gatter also congratulated the President of the University, his faculty and staff for reaching an acceptable international standard.

He further commended the Government for recognizing the importance of education at a time the country is faced with economic sanctions and arms embargo. In response, Rev. Jonathan C. Taylor, who stood in for the Visitor to the University President Charles Ghankay Taylor, said the future of this country lies in the hands of every Liberian. He stressed, education is not possible in a state of confusion or conflict. The Minister of State also extended President Taylor’s warmest congratulations to the faculty and staff of the University. President Taylor’s absence, he said was due to the crucial work he’s undertaking for the restoration of peace in Liberia. Rev. Taylor said the Liberian leader has called on all stakeholders meeting in Akosombo to make Liberia their first priority. The university faculty senate and staff conferred a Doctor of Philosophy (PhD) degree on the honorable speaker, Dr. Gatter.

http://www.allaboutliberia.com/may2003/230529n2.htm